10 Gigawatt Windenergie in Schleswig-Holstein – Erneuerbare Energien leisten Milliarden an Investitionen im Land

Zum Erreichen von 10 Gigawatt Windenergieleistung an Land legen ARGE NETZ und Wirtschaftsförderung Nordfriesland eine Ermittlung zum Investitionsvolumen der Erneuerbaren Energien in Schleswig-Holstein vor. Umweltminister Tobias Goldschmidt besucht dazu den Bürgerwindpark Galmsbüll.

Galmsbüll/Husum. Schleswig-Holstein erreicht 10 Gigawatt installierte Windenergieleistung an Land. Hinter dieser Marke steht nicht nur eine erhebliche Menge klimafreundlich erzeugten Stroms, sondern auch ein hohes Investitionsvolumen: Rund 29 Milliarden Euro sind nach einer gemeinsamen Ermittlung der Unternehmensgruppe ARGE NETZ und der Wirtschaftsförderung Nordfriesland bislang in die Errichtung von Erneuerbare-Energien-Anlagen in Schleswig-Holstein geflossen.

Eine der jüngsten Windenergieanlagen geht im Bürgerwindpark Galmsbüll in Nordfriesland ans Netz. Dort besuchte am 24. August Energiewendeminister Tobias Goldschmidt den Windpark. Eingeladen hatten die Unternehmensgruppe ARGE NETZ und die Wirtschaftsförderung Nordfriesland gemeinsam mit den Betreibern des Windparks. Mit dabei waren außerdem Schleswig-Holstein Netz und der Landesverband Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein (LEE SH).

Energiewendeminister Tobias Goldschmidt: „Mit dem Erreichen der 10-Gigawatt-Marke unterstreicht Schleswig-Holstein seine Vorreiterrolle beim Ausbau der Windenergie. Jetzt geht es darum, die nächsten Schritte zu gehen: mehr erneuerbare Energie, mehr Wertschöpfung im Land und ein Energiesystem, das sicher, bezahlbar und klimaneutral ist.“

Erneuerbare Energien erbrachten in den vergangenen Jahren 29 Milliarden Euro Investitionsvolumen 

Die gemeinsame Ermittlung von ARGE NETZ und Wirtschaftsförderung Nordfriesland berücksichtigt die Investitionen in die Errichtung von Windenergie-, Photovoltaik- und Bioenergieanlagen im Land. Insgesamt summieren sie sich auf rund 29 Milliarden Euro.

Ein erheblicher Teil dieser wirtschaftlichen Leistung entsteht im ländlichen Raum. Davon profitieren Flächeneigentümer, Projektierer und regionale Unternehmen ebenso wie die Kommunen. Allein die Gewerbesteuereinnahmen aus den Erneuerbaren Energien belaufen sich nach Ermittlung der ARGE NETZ auf Grundlage der Zahlen der IHK auf rund 110 Millionen Euro jährlich. Über den kommunalen Finanzausgleich entfalten diese Einnahmen Wirkung im gesamten Land. Damit profitieren auch Städte und Gemeinden, in denen selbst keine Windenergieanlagen stehen.

Stephan Frense, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe ARGE NETZ: 

„Wer Milliarden investiert, braucht Vertrauensschutz und verlässliche Regeln. Das gilt besonders für Projekte, die bereits geplant, finanziert oder im Bau sind. Aktuell schieben die in Bau befindlichen Windenergieanlagen hierzulande. Investitionen in Höhe von vier Milliarden Euro an. Das neue EEG muss daher sicherstellen, dass aus erneuerbarer Energie weiterhin Wertschöpfung und Wohlstand im Land entstehen. Es kann nicht unser Ziel sein, den Ausbau dort schwieriger zu machen, wo Windenergie besonders effizient erzeugt werden kann und gleichzeitig besonders viel Wertschöpfung vor Ort entsteht. Einige der derzeit diskutierten Vorschläge des Bundeswirtschaftsministeriums würden ausgerechnet die windreichen Standorte benachteiligen, an denen erneuerbarer Strom besonders günstig erzeugt werden kann. Das wäre weder energiepolitisch noch volkswirtschaftlich sinnvoll.“

Die tatsächliche Wirtschaftsleistung liegt noch höher

Die 29 Milliarden Euro bilden dabei nur einen Teil der wirtschaftlichen Bedeutung der Erneuerbaren Energien ab. Ermittelt wurden die Investitionen, die unmittelbar mit der Errichtung der Anlagen verbunden sind. Die laufende Wirtschaftsleistung, die während des Betriebs entsteht, ist darin nicht enthalten.

Matthias Hüppauff, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Nordfriesland: „Mit den 29 Milliarden Euro beziffern wir die Investitionen in die Errichtung der Anlagen. Die tatsächliche Wirtschaftsleistung der Erneuerbaren Energien im Land ist noch deutlich größer. Nach der Investition beginnt schließlich der Betrieb und damit ein wirtschaftlicher Kreislauf, der über viele Jahre läuft. Betriebsführung, Wartung, Versicherungen und zahlreiche weitere Dienstleistungen sorgen dauerhaft für Aufträge und Wertschöpfung im Land.“

Was verbleibt von diesem Geld direkt in den Gemeinden?

Zusätzlich profitieren die Standortgemeinden von einer weiteren, separaten Leistung: der kommunalen Abgabe für Erneuerbare-Energien-Anlagen. Anders als die Gewerbesteuer wird dieses Geld nicht über den kommunalen Finanzausgleich verteilt, sondern verbleibt unmittelbar bei den berechtigten Gemeinden. In den vergangenen Jahre sind dadurch jährlich zusätzliche Einnahmen in Millionenhöhe entstanden. Zuletzt wurden über Schleswig-Holstein Netz 7,7 Millionen Euro an Kommunen ausgezahlt.

Investitionen auch im Netzausbau auf hohem Niveau. Kommunale Abgabe stärkt Gemeinden.

Lisa Hebenstreit, Geschäftsführerin von Schleswig-Holstein Netz: „Von den 10 Gigawatt Windleistung in Schleswig-Holstein sind 9,3 Gigawatt an das Netz von SH Netz angeschlossen. Insgesamt haben wir rund 14 GW Erneuerbaren-Energien-Anlagen in unser Netz integriert. Dafür haben wir in den letzten Jahren unsere jährlichen Investitionen in das Stromnetz von 200 Millionen Euro auf über 400 Millionen Euro verdoppelt. Mit einem Investitionsvolumen von 2,5 Milliarden Euro zwischen 2026 und 2030 setzen wir diesen Kurs auf Rekordniveau fort. Die kommunale Beteiligung hat sich als wichtiges Instrument etabliert und entwickelt sich für immer mehr Gemeinden zu einer spürbaren Einnahmequelle. Nachdem 2023 bereits 2,3 Millionen Euro und 2024 rund 5,2 Millionen Euro ausgezahlt wurden, flossen 2025 insgesamt 7,7 Millionen Euro direkt vor Ort in die Kommunen. Gleichzeitig sehen wir Handlungsbedarf beim effizienten Umgang mit knappen Netzkapazitäten und bei der Begrenzung der Systemkosten. Wir begrüßen es, dass die Bundesregierung diese Themen aufgreift und die Bezahlbarkeit der Energieversorgung in den Fokus rückt.“

Fortgeführten Ausbau im Norden sichern

Mit dem Erreichen der 10-Gigawatt-Marke rücken auch die kommenden Jahre in den Fokus. Der Landesverband Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein blickt mit Sorge auf die aktuellen Pläne der Bundesregierung und deren Auswirkungen auf Schleswig-Holstein. Dazu Geschäftsführer Marcus Hrach: "Mit 10 GW installierte Windleistung erreicht SH einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg hin zum klimaneutralen Industrieland. Politik und Branche im „Echten Norden“ zeigen: Ambitionierte energiepolitische Ziele sind erreichbar unter den richtigen Investitionsbedingungen und mit einem gemeinsamen Willen. Doch anders als die Landesregierung lässt Berlin diesen Willen in den aktuell vorliegenden Gesetzespaketen vollständig vermissen. Der Bund verpasst es, die nun relevanten Anreize zu schaffen, um die vorhandene Netzinfrastruktur effizienter zu nutzen, das Netz schneller auszubauen und den Strom vor Ort nutzbar zu machen. Stattdessen belastet die geplante Gesetzgebung die hiesigen ertragreichen Standorte gleich mehrfach und droht den Ausbau aufgrund hoher Investitionsrisken massiv auszubremsen. Die dieses Jahr erwarteten zahlreichen neuen Windflächen in Schleswig-Holstein würden unter den vom Bund geplanten wirtschaftlichen Bedingungen in weiten Teilen nicht bebaubar sein. Damit wären auch die weiteren energiepolitischen Ziele des Landes nicht mehr erreichbar und tausende Arbeitsplätze in Gefahr. Schleswig-Holstein hat sich durch den bisherigen und geplanten Zubau der Erneuerbaren bundesweit die besten Voraussetzungen für einen echten und dauerhaften wirtschaftlichen Standortvorteil erarbeitet. Wir zeigen hier als erstes, wie eine flächendeckende Versorgung der Sektoren Wärme, Mobilität und Industrie mit erneuerbarer Energie gelingen kann. Um diese Rolle übernehmen zu können, braucht es nun jedoch massive Nachbesserungen im parlamentarischen Verfahren."

 

 

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