Erneuerbaren Branche übt massive Kritik an energiepolitischen Reformen: „Die Entwürfe zu EEG und Netzpaket gefährden Milliardeninvestitionen und regionale Wertschöpfung"

ARGE NETZ warnt in Bundestagsanhörung vor tiefen Einschnitten für die Erneuerbaren in Schleswig-Holstein und Deutschland. Die Erneuerbaren Unternehmensgruppe fordert faire Bedingungen für windstarke Standorte, einen wirksamen Schutz der Bürgerenergie und den Blick auf das gesamte Energiesystem.

Berlin/Husum, 5. Oktober 2026. Die Erneuerbaren-Branche in Schleswig-Holstein übt deutliche Kritik an zentralen Vorschlägen zum EEG 2027. Björn Spiegel, Leiter Politik & Strategie bei ARGE NETZ, spricht heute als Sachverständiger in der Anhörung zum EEG und warnt vor erheblichen Folgen für Investitionen, Bürgerenergie und regionale Wertschöpfung. Bleibt der Entwurf in wesentlichen Punkten unverändert, drohen einer der wichtigsten Wirtschaftsbranchen Schleswig-Holsteins tiefe Einschnitte.

„Deutschland braucht jetzt ein klares Signal für Investitionen in die Energiewende: Unternehmen wollen Milliarden in den Regionen investieren, aber dafür brauchen sie verlässliche Rahmenbedingungen, Wirtschaftlichkeit und Planungssicherheit. Mit dem CfD-Deckel muss die Branche politische Risiken und Kosten einpreisen. Eine Absenkung des Höchstwerts wäre in dieser Lage brandgefährlich, weil sie die Rentabilität weiter unter Druck setzt und damit Investitionen, Finanzierung und letztlich die Akteursvielfalt ausbremst.“

„Das EEG darf nicht dazu führen, dass ausgerechnet diejenigen aus dem Markt gedrängt werden, die die Energiewende über Jahrzehnte aufgebaut haben. Bürgerwind steht für Investitionen vor Ort, Gewerbesteuern für die Gemeinden und echte wirtschaftliche Beteiligung der Menschen. Diese Struktur müssen wir erhalten“, sagt Spiegel.

Besonders scharf kritisiert ARGE NETZ die geplante Regionalisierung des Referenzertragsmodells. Eine eigene Küstenregion verschlechtert die wirtschaftlichen Bedingungen für besonders windstarke Standorte. Damit trifft die Regelung Schleswig-Holstein und seine regional verankerten Unternehmen unmittelbar. Die geplante Regionalisierung ist gemeinsam mit den geplanten Maßnahmen des sogenannten Netzpakets verheerend. Dazu kommen Reformprozesse auf Seiten der Bundesnetzagentur, die weitere Kostentreiber beinhalten. Aus Sicht von ARGE NETZ ist das der falsche Weg. Politik muss notwendige Reformprozesse aufeinander abgestimmt planen und beschließen. Windenergie muss dort wirtschaftlich bleiben, wo mit hohen Erträgen besonders effizient Strom erzeugt werden kann.

Dringend erforderlich ist ein Blick auf das Gesamtsystem und alle Erzeugungsarten. Die Erneuerbare Unternehmensgruppe ARGE NETZ ist in allen Erneuerbaren-Technologien aktiv und Vorreiter für systemische Lösungen. Bei PV-Freiflächen führen die im EEG und im Netzpaket geplanten Maßnahmen ebenfalls zu höheren Kosten. Daher sind die geplanten Maßnahmen dringend auf die Wirtschaftlichkeit von Erneuerbaren Projekten anzupassen oder die Höchstwerte für PV-Freifläche und Wind an Land anzuheben. Die Biomasse muss weiter ein zentraler Flexibilitätserbringer sein. Dafür müssen die Ausschreibungsvolumen noch stärker angehoben werden. Die Integration von Speichern muss durch die Abregelung am Netzverknüpfungspunkt statt der Einzelanlage gestärkt werden. Der Deutsche Bundestag kann die Weichen auf einen stärkeren Ausbau stellen, statt auf einen Zubaustopp.  

Auch für Bürgerenergie reicht der Entwurf nicht aus. ARGE NETZ fordert ein eigenes Ausschreibungssegment für Bürgerwindprojekte. Bürgerenergiegesellschaften konkurrieren heute mit großen, finanzstarken Akteuren um dieselben Zuschläge. Wer die gewachsene Akteursvielfalt erhalten will, muss dafür sorgen, dass Bürgerwind auch künftig wirtschaftlich realisierbar und finanzierbar bleibt.

„Bürgerenergie ist kein schmückendes Beiwerk der Energiewende. In Schleswig-Holstein ist sie ein Wirtschaftsmodell das breite Beteiligung schafft. Wenn Bürgerwind aus dem Markt gedrängt wird, verlieren wir nicht nur Projekte. Wir verlieren regionale Unternehmen, Beteiligung, Akzeptanz und Wertschöpfung in den Gemeinden“, so Spiegel.

Deutlichen Nachbesserungsbedarf sieht ARGE NETZ auch beim geplanten Contract for Difference (CfD). Die Unternehmensgruppe fordert einen Marktwertkorridor von 10 bis 15 Prozent oberhalb des anzulegenden Wertes, innerhalb dessen zusätzliche Markterlöse bei den Betreibern verbleiben. Ohne ausreichende Marktchancen droht die Reform aus Sicht von ARGE NETZ unternehmerische Anreize zu beschneiden, statt die Erneuerbaren stärker in den Markt zu integrieren.

Die zusätzlichen 12 GW Ausschreibungsvolumen für Windenergie an Land von 2027 bis 2029 und die Erhöhung der Ausschreibungsvolumen zu Gunsten der Freiflächen-PV sind aus Sicht von ARGE NETZ ein wichtiges Signal. Mehr Ausschreibungsmenge allein reicht jedoch nicht. Entscheidend ist, ob Projekte unter den neuen Bedingungen noch wirtschaftlich umgesetzt und finanziert werden können.

Auch bei PPAs, der Direktbelieferung von Unternehmen, Biomethan, Freiflächen-PV, besonderen Solaranlagen und den geplanten Pachtregelungen fordert ARGE NETZ Änderungen.

„Schleswig-Holstein hat mit den Erneuerbaren eine starke heimische Industrie aufgebaut. Hier werden Milliarden investiert, Steuern gezahlt und Einkommen geschaffen. Ein EEG, das diese Strukturen schwächt, gefährdet mehr als einzelne Wind- oder Freiflächen-PV-Parks. Es gefährdet ein Stück wirtschaftlicher Stärke des Landes. Der Entwurf muss deshalb im parlamentarischen Verfahren deutlich korrigiert werden“, fordert Spiegel.

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ARGE NETZ warnt: Netzentgeltreform „AgNes“ darf Investitionssicherheit für Erneuerbare und Speicher nicht weiter gefährden (Kopie)