Mit 110 bis 120 Millionen Euro an Gewerbesteuerzahlungen finanzieren Erneuerbaren Energien die kommunalen Haushalte und Kreise in Schleswig-Holstein
Pressemitteilung
Windenergie an Land und Photovoltaik leisten einen zentralen Beitrag zur finanziellen Stärke der Kommunen in Schleswig-Holstein.
Eine erneute Auswertung der Gewerbesteuerzahlungen aus der Stromproduktion von ARGE NETZ auf Grundlage der von der IHK mitgeteilten Summe der branchenbezogenen Gewerbeerträge zeigt: 110 bis 120 Millionen Euro flossen im Jahr 2024 allein aus dem Betrieb von Windenergieanlagen an Land und Solaranlagen in die Gemeindehaushalte. Damit erreicht das Aufkommen erneut nahezu das Niveau des Ausnahme-Jahres 2022 (rund 140 Millionen Euro), das vom Beginn des Ukrainekrieges und stark gestiegenen Börsenstrompreisen geprägt war. Bereits 2023 lagen die Einnahmen mit rund 95 Millionen Euro auf hohem Niveau.
Energiewendeminister Tobias Goldschmidt (MEKUN) erklärt am Rande der PowerNet 2026 in Neumünster:
„Die Gewerbesteuereinnahmen zeigen, welches Wohlstands-Potential in der Energiewende steckt. Die Kommunen und damit alle Anwohner profitieren schon heute ganz direkt von der Grünen Stromerzeugung vor Ort. Hinzu kommen regionale Wertschöpfungsketten und der Beitrag zum Klimaschutz. Ein echtes Win-Win-Win für Menschen, Wirtschaft und Klima. Gleichzeitig zeigen sinkende Abregelungsmengen, dass Netzausbau und Systemstabilisierung wirken: Wir nutzen mehr heimische Energie, reduzieren unnötige Systemkosten und stärken die öffentliche Hand. Die freiwillige kommunalen Abgabe trägt zusätzlich zur Akzeptanz im Land bei und zeigt, wie wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung zusammengehen können. Damit bleibt die Energiewende ein Bürgerprojekt der vielen. Aus der Region, für die Region.“
Dass diese Einnahmen nicht nur krisenbedingt, sondern zunehmend strukturell abgesichert sind, zeigt der Blick auf das Energiesystem: Die Abregelungsmengen bei Windenergie an Land sind in den vergangenen vier Jahren deutlich zurückgegangen. Mussten 2019 noch 3.250 GWh Windstrom abgeregelt werden, lag der Wert 2024 bei nur noch 807 GWh. Netzausbau und Netzstabilisierungsmaßnahmen sorgen damit für eine doppelte Entlastung: Mehr Energie wird eingespeist und vermarktet – und die Systemkosten sinken, weil weniger Ersatzzahlungen für Abregelungen anfallen. So werden die Gewerbesteuereinnahmen aus Erneuerbaren Energien verlässlicher, während die Kosten des Gesamtsystems zurückgehen.
ARGE NETZ CEO Stephan Frense ergänzt:
„Wer über die Gesamtkosten der Energietransformation spricht, muss auch ehrlich über ihre Erträge sprechen: Erneuerbare Energien senken Systemkosten, weil weniger Energie abgeregelt werden muss – und sie stärken gleichzeitig die Kommunen durch stabile Gewerbesteuereinnahmen. Das ist kein Nebeneffekt, sondern ein zentraler Vorteil für Schleswig-Holstein. Spätestens mit Blick auf die nächste Landtagswahl dürfte jede Partei verstanden haben, wie wichtig der konsequente Ausbau der Erneuerbaren auch für ein bezahlbares, robustes und zukunftsfähiges Gesamtenergiesystem ist.“
Windenergie an Land und Photovoltaik zählen inzwischen zu den wichtigsten Gewerbesteuerzahlern im Land und übertreffen andere zentrale Wirtschaftszweige wie Handel oder Tourismus. Grundlage der Auswertung ist die mitgeteilte Summe der branchenbezogenen Gewerbeerträge der IHK. Sie bilden jedoch nur einen Teil der tatsächlichen Wertschöpfung ab. Nicht erfasst sind unter anderem Planung, Projektierung, Beratung, technische Dienstleistungen, Betrieb und Wartung – Bereiche, die maßgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg der Energiewende im Land beitragen.
Ina Kietzmann, Leiterin Landespolitik & Kommunikation, ergänzt:
„Unser Dank gilt der IHK, die die Grundlage für diese Auswertung geschaffen hat und damit Transparenz überhaupt erst ermöglicht. Viele Bürgerinnen und Bürger wissen bislang nicht, wie stark ihre Gemeinden – und damit das ganze Land – von den Erneuerbaren profitieren. Wir brauchen daher dringend ein Transparenzregister für kommunale Einnahmen, um die wirtschaftliche Bedeutung der Erneuerbaren Energien für alle sichtbar zu machen. Eine einfache, gut zugängliche Übersicht nach Gemeinden wäre ein wichtiger erster Schritt.“
Neben der Gewerbesteuer leisten Erneuerbare Energien weitere wichtige Beiträge für die Kommunen. Dazu gehört die kommunale Abgabe, die im kommenden Jahr voraussichtlich ein neues Rekordniveau erreichen wird, ebenso wie freiwillige Leistungen der Betreiber – etwa durch Spenden, lokale Investitionen und Arbeitsplatzsicherung.
Zudem profitieren nicht nur die Standortgemeinden. Über den kommunalen Finanzausgleich werden erhebliche Teile der Einnahmen landesweit verteilt. Allein über die Gewerbesteuerumlage fließen regelmäßig mehr als 30 Prozent der erhobenen Gewerbesteuer in den Ausgleich und kommen damit auch Städten und Gemeinden zugute, in denen kaum oder keine Anlagen betrieben werden. So profitieren alle Regionen im Land vom erfolgreichen Ausbau der Erneuerbaren – bislang jedoch weitgehend ohne öffentliche Wahrnehmung.

